Absurde Online-Lohnvergleiche

GeldKein Thema gibt so viel Diskussionsstoff her wie das Salär. Kaum jemand mag es direkt aussprechen, aber die Frage nach dem eigenen Wert auf dem Arbeitsmarkt beschäftigt. Eigentlich ist es ja nicht tragbar, von „Wert“ zu sprechen, wenn man über Menschen und deren Arbeit spricht. Ich habe da persönlich keine sonderlichen Berührungsängste und bin auch bei Humankapital der Meinung, dass es nichts umsonst gibt und eben alles seinen Preis hat. Aber darum geht es mir in diesem Blog nicht, sondern um die online angebotenen Möglichkeiten, den eigenen Marktwert zu bestimmen und seinen Lohn mit anderen zu vergleichen.

 

Nutzlose Analysen zur Attraktivitätssteigerung?

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Hände weg davon, denn der Informationsgehalt und die Nützlichkeit solcher online Vergleiche sind gleich null. Ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Anbieter damit Aufmerksamkeit und neue Kunden gewinnen wollen. Evtl. denken sie sich auch gar nicht gross was dabei oder verstehen nicht was sie tun, denn wer von Statistik, Lohnvergleichen und –analysen etwas versteht, macht so etwas nicht und bietet es auch nicht an.

 

Inadäquate Vergleiche – ein Apfel ist keine Birne

Vielleicht meinen die Anbieter von online Lohnvergleichen damit etwas Gutes zu tun. Aber genau das Gegenteil ist der Fall, da die gesammelten Daten und die gelieferten Informationen so nicht brauchbar sind und höchstens für Frust oder noch mehr Verwirrung sorgen. Es ist so als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen, denn im Endeffekt zählt meist nur der Jobtitel und der sagt meist kaum etwas aus über Tätigkeit, deren Inhalt und die damit verbunden Verantwortlichkeiten aus. Es nutzt somit auch wenig, wenn nach Region und Branche unterschieden wird, es werden nach wie vor zu unterschiedliche Tätigkeiten und Positionen in einen Topf geworfen. Dazu kommt, dass scheinbar auch noch der Durchschnitt gerechnet wird, was das Resultat zusätzlich verzerrt und unbrauchbar macht.

 

Verlässliche Daten sind rar und für Einzelpersonen kaum zugänglich

Die Erstellung von Lohnanalysen und –vergleichen ist sehr aufwändig und diese können in der Regel meist nur mit Vorbehalt genossen werden, da es zu viele Einflussfaktoren gibt und zu oft auf der Basis unvollständiger Informationen gerechnet wird. Lohndaten werden zudem weder unter Individien noch unter Firmen ohne weiteres und freiwillig geteilt und somit müssen wir damit leben, nie den vollkommenen Durchblick zu haben, wie sich unser „Marktwert“ genau gestaltet.

 

Marktwert selber mitbestimmen – Verantwortung übernehmen

Im Endeffekt ist jeder für seinen Marktwert mitverantwortlich und zwar nicht nur durch die aktive Gestaltung der eigenen Karriere. Wer Informationen will, sollte sie direkt an der Quelle anfragen. Es spricht nichts dagegen, sich firmenintern über das Lohnsystem im Detail zu orientieren und zu erfragen, nach welchen Kriterien ein Lohn festgelegt wird. In einem Bewerbungsgespräch ist es gerechtfertigt nach einem Angebot und somit nach dem „Wert“, den einem der potentielle neue Arbeitgeber zuschreiben würde, zu fragen. Der Lohn ist nie immer für sich alleine zu nehmen, steht immer in Kontext mit der effektiven Tätigkeit, den damit verbundenen Verantwortungen, der Einbettung im Unternehmen, der Marktsituation, der Konkurrenz und vielem mehr. Der Lohn ist auch Verhandlungssache und man kann und soll auch darüber diskutieren, denn nur so kommt man zu verlässliche Informationen bezüglich des eigenen Marktwertes. Aber online Abfragen helfen ganz bestimmt nicht weiter.

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