Danke Visilab – nein Danke Fielmann

Endlich mal wieder ein erfreuliches Einkaufserlebnis, wobei ich nicht wirklich was gekauft habe, sondern sogar kostenlos eine für mich wertvolle Dienstleistung in Anspruch nehmen durfte.

Fielmann lag näher auf meinem Weg, daher fragte ich zunächst da an, ob sie mir kurz meine Brillengläser von einer Fassung in die andere wechseln könnten. Ich habe zwei gleiche Brillen… gleiche Fassung, unterschiedliche Farben… schon fast dekadent, ich weiss… Na ja, jedenfalls habe ich bei der einten das Glas beim Spielen mit meinem Sohn heftig verkratzt und da ich die einte Brille öfters trage als die andere, lag es für mich nahe, die Gläser einfach zu tauschen, anstatt gleich neue Gläser zu kaufen (eben doch nicht so dekadent).

Bei Fielmann wurde zuerst ein Formular ausgefüllt, dann folgte ein Telefonat mit dem Labor und schliesslich teilte man mir mit, das ganze würde etwa 30 Minuten dauern. 30 Minuten? Ist das ein Witz? Was soll ich in der Zeit ohne Brille? Die Dame wollte mir weis machen, dass da evtl. auch noch was am Glas geschliffen werden müsse und gleiche Fassung eben doch nicht gleiche Fassung sei. Überrascht und auch besorgt, was die wohl mit meiner Brille machen würden (hatte schon letztens ein Erlebnis mit Fielmann, bei dem mir Gläser unschön in eine neue Fassung eingesetzt wurden), nahm ich meine Brillen danken zurück und verliess das Geschäft.

Unweit von Fielmann ist in Luzern auch ein Visilab. Also dachte ich mir, ich versuche es dort mal. Eine echt gute Idee, wie sich herausstellen sollte.

Bei Visilab wurde ich sehr freundlich von einem Optiker begrüsst, der auf meine Anfrage gleich mit den Worten „gar kein Problem, das mach ich ihnen in einer Minute“ antwortete. Dann ging es ruckzuck und die Gläser waren getauscht und sogar die lose Schraube der einten Brille wurde angezogen. Alles kostenlos. Da kann ich nur sagen, vielen herzlichen Dank Visilab, es gibt sie also doch noch, die erfreulichen und schönen Erlebnisse beim Einkaufen und die dienstleistungsorientierten sowie kundenfreundlichen Mitarbeitenden in den Geschäften.

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Um was oder wen geht es hier eigentlich?

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Ich werde manchmal den Eindruck nicht los, dass mir Leute in meinem Umfeld mehr Wichtigkeit zuschreiben als aus meiner Sicht angemessen wäre. Wer bin ich schon? Wieso ist es machen so wichtig, was ich denke? Und wieso können sie meine Entscheidungen nicht akzeptieren? Nur weil ich mir das Recht rausnehme, nicht zu allem ja zu sagen, mich weigere Dinge zu tun und Kontakte aufrechtzuerhalten, nur weil das von einem „netten, sozialen, lieben und anständigen“ Menschen erwartet wird? Ist es denn wirklich notwendig, alles lang und breit zu diskutieren oder wieso können wir nicht einfach akzeptieren, dass wir nun mal nicht alle immer gleicher Meinung sind, wir nicht alle das „Heu auf derselben Bühne“ haben, unterschiedliche Bedürfnisse bezüglich sozialen Kontakten besitzen und wir das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen individuell anderes einschätzen? Ich habe die Vermutung, dass es in solchen Situationen gar nicht um mich geht und somit auch nicht um meine Wichtigkeit, sondern vielmehr um die andere Person, die sich selber so wichtig nimmt und nicht akzeptieren kann, dass ich auf ihre Wichtigkeit verzichten kann.

Die Frage nach dem Sinn

Freude

Im Rahmen meiner Tätigkeit habe ich immer wieder die Gelegenheit, die unterschiedlichsten Menschen auf den unterschiedlichsten Hierarchiestufen und Karrierelevels zu fragen, was Ihnen im Job wichtig ist. Dabei fällt mir auf, dass für die meisten ihre Tätigkeit Sinn machen soll, obwohl es den meistens schwer fällt, Sinn zu definieren.  

Der Wunsch nach einer sinnvollen Tätigkeit ist für viele mit dem Generieren eines Mehrwertes verbunden. Mit der Vorstellung, am Ende des Tages sagen zu können, einen Beitrag geleistet zu haben, mit einem guten Gefühl erfüllt zu sein, dass das eigene Tun einen Zweck erfüllt oder dem Erreichen eines Ziels beiträgt.  

Ich denke, dass dieser Wunsch sehr menschlich ist und wenn man zurückblickt, ist die Frage nach Sinn, nach dem Sinn des Lebens und dem Sinn des Daseins eine Frage ist, welche die Menschheit schon immer beschäftigt hat. Es scheint ein tiefes menschliches Bedürfnis zu sein, nicht umsonst auf der Welt zu sein.  

Ich nehme mich da nicht raus, denn die Frage nach dem Sinn beschäftigt mich selber sehr. So sehr, dass ich inzwischen sagen kann, dass eine zu exzessive Auseinandersetzung mit der Frage sehr ernüchternd, wenn nicht gar deprimierend sein kann. Stellt man sich die Frage nach dem Sinn des eigenen Tuns, des eigenen Seins und somit nach dem Sinn des Lebens, müsste man zunächst davon ausgehen können, dass das menschliche Dasein tatsächlich Sinn hat oder haben kann. Aber ist das überhaupt möglich und was heisst Sinn eigentlich? Ich würde sagen, dass etwas dann Sinn macht, wenn die Gleichung aufgeht, wenn das Ist dem Soll entspricht und ein Gleichgewicht entsteht. Damit ist aber noch immer nicht geklärt, was Sinn ist oder was Sinn macht. Kann überhaupt klar definiert werden, was Sinn ist oder macht? Muss das nicht jede/r für sich selber klären? Was ist der Sinn des menschlichen Daseins? Ist es rein die stetige Fortpflanzung oder geht es vielmehr darum, bestimmten Wertvorstellungen zu entsprechen? Wenn es letzteres ist, wer gibt diese Wertvorstellungen vor? Und kann ich tatsächlich ein sinnvolles Leben führen oder einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen, wenn ich bestimmten Wertvorstellungen genüge? Möglicherweise, dennoch glaube ich inzwischen, dass die Frage nach dem Sinn relativ ist und es nicht in jedem Fall erfüllend sein muss, sich nur die Frage nach dem Sinn zu stellen. Gerade wenn man sich mal in Bescheidenheit übt und sich die Frage stellt, ob sich der Mensch nicht generell zu wichtig nimmt und sich die Frage nach dem Sinn nur stellt, weil er die Vorstellung, unwichtig zu sein, nicht erträgt.  

Aus meiner Sicht hängt die berufliche Erfüllung vielmehr von Freude ab. Ich bin überzeugt, dass man sich vielmehr fragen sollte, was Freude macht, welche Aufgaben und Tätigkeiten dazu führen, dass man Freude empfindet. Ich habe bisher keinen Menschen getroffen, der Freude an seiner Arbeit hat und gleichzeitig sagen würde, das tägliche Tun sei sinnlos. Ich denke, dass sich viele Menschen zu selten oder gar nicht die Frage stellen, was ihnen wirklich Freude macht und deshalb auch so unzufrieden sind im Beruf.  

Spinnt man den Gedanken mit der Freude weiter, wird man feststellen, dass dies nicht nur auf die berufliche Tätigkeit zutrifft, sondern auch auf andere Bereiche des Lebens. Aus meiner Sicht sollte man sich viel mehr und öfters die Frage stellen, was Freude bereiten und welche Dinge, Tätigkeiten und Aktivitäten zwar gewissen gesellschaftlichen Erwartungen und Vorstellungen entsprechen, jedoch belasten und für alles andere als Freude sorgen.

Von Managern, Ingenieuren und heisser Luft…

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Ein Mann in einem Heissluftballon hat sich verirrt. Er geht tiefer und sichtet einen Mann am Boden. Er sinkt noch weiter ab und ruft:

„Entschuldigung, können Sie mir helfen? Ich habe einem Freund versprochen, ihn vor einer Stunde zu treffen und ich weiss nicht, wo ich bin.“

Der Mann am Boden antwortet: „Sie sind in einem Heissluftballon in ungefähr 10m Höhe über dem Boden. Sie befinden sich zwischen 40 und 41 Grad nördlicher Breite und zwischen 59 und 60 Grad westlicher Länge.“

„Sie müssen Ingenieur sein“, sagt der Ballonfahrer. „Bin ich“, antwortet dieser, „woher wussten Sie das?“

„Nun,“ sagt der Ballonfahrer, „alles was Sie mir sagten, ist technisch korrekt, aber ich habe keine Ahnung, was ich mit Ihren Informationen anfangen soll, und ich weiss immer noch nicht, wo ich bin. Offen gesagt waren Sie keine große Hilfe. Sie haben höchstens meine Reise noch weiter verzögert.“

Der Ingenieur antwortet: „Sie müssen im Management tätig sein.“

„Ja,“ antwortet der Ballonfahrer, „aber woher wussten Sie das?“

„Nun,“ sagt der Ingenieur, „Sie wissen weder wo Sie sind, noch wohin Sie fahren. Sie sind aufgrund einer großen Menge heisser Luft in Ihre jetzige Position gekommen. Sie haben ein Versprechen gemacht, von dem Sie keine Ahnung haben, wie Sie es einhalten können und erwarten von den Leuten unter Ihnen, dass sie Ihre Probleme lösen. Tatsache ist, dass Sie in exakt der gleichen Lage sind wie vor unserem Treffen, aber jetzt bin irgendwie ich schuld!“

Verfasser unbekannt

Ich wollte doch nur helfen…

Delivery Man Balancing BoxesWürden Sie sich selber als hilfsbereit bezeichnen? Die Frage werden wahrscheinlich nicht nur Sie mir „ja“ beantworten, denn wer steht schon gerne als unsoziales Wesen oder gar als Egoist da, der sich einen Krümel um das Wohl der anderen kümmert. Ist das wirklich so? Ich meine, kümmert sich ein Egoist wirklich nur um sich selber und ein soziales, hilfsbereites Wesen auch oder gar vor allem um das Wohlergehen der anderen?

 

Ich bin überzeugt, dass wir oft mit unseren gutgemeinten Hilfestellungen mehr Schaden als irgendeine Form von Nutzen anrichten und das schlimmste dabei ist, dass wir uns dessen meist gar nicht bewusst sind.

 

Im Rahmen meiner Arbeit habe ich mir angewöhnt, die Leute zunächst danach zu fragen, ob sie meine Hilfe wünschen. Klar, wenn jemand bewusstlos da liegt, werde ich ihn bestimmt nicht fragen, denn dann sehe ich mich durch die Situation dazu ermächtigt einzugreifen, da ich davon ausgehen kann, dass meine Hilfe nützlich wenn nicht gar lebensrettend sein könnte. Ich rede hier von scheinbar wenig dramatischen Situationen, wie beispielsweise einer niedergeschlagenen Person gleich gutgemeinte Ratschläge zu erteilen oder jemanden mit den Worten „es wird schon alles wieder gut“ trösten zu wollen. Sollte in einem solchen Fall die Frage „woher willst du wissen, dass alles wieder gut wird?“ folgen, wären die meisten wohl gänzlich überfordert.

 

Ich denke, es wäre sehr nützlich, wenn wir uns vorgängig jeweils zuerst mal überlegen, ob wir überhaupt in der Lage sind, einer Person zu helfen und ob wir auch mit kritischen Rückfragen umgehen könnten. Eine wirklich hilfsbereite Person sollte aus meiner Sicht auch damit umgehen könnten, dass jemand Hilfe ablehnt. Denn was nützt es mir, wenn jemand glaubt mir zu helfen, mir aber diese Art von Hilfe alles andere als dienlich ist, mich vielleicht sogar beleidigt, da sie meiner Problemstellung nicht würdig ist, ich mich darüber auch ärgere und ich mich schlussendlich sogar noch gezwungen sehe, mich für diese unerwünschte, unnütze Hilfestellung bedanken zu müssen? Ausser unguten Gefühlen ist dann nichts gewesen und wird die vermeintlich helfende Person auf die Unerwünschtheit und Nutzlosigkeit der Hilfestellung hingewiesen, wird die Person mit grösster Wahrscheinlichkeit beleidigt davonzotteln und murmeln „ich wollte doch nur helfen…“. Und wer ist am Ende nun der Egoist?

Zwei Selbstmorde von Managern innerhalb von zwei Monaten = Zufall?

?????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????Was man nicht alles zum Fall von Schloter und nun auch von Wauthier lesen darf. Da folgt eine Spekulation der andere und nun kommen auch Rechtfertigungen von Besserwisserei von „Experten“ nicht kurz, die beispielsweise von Zufall und „statistisch nicht relevant“ schreiben und erzählen. Es gäbe scheinbar noch keinen konkreten (und somit statistisch relevanten) Hinweis dafür, dass der Druck auf Manager und Führungskräfte steigt und dies als einer vieler Gründe für Selbstmord betrachtet werden könnte. Es ist wahrscheinlich wirklich nicht möglich, nur einen Missstand oder eine Lebensschwierigkeit für einen Selbstmord verantwortlich zu machen, allerdings wird hier ein wichtiger Aspekt übersehen und der hat weniger mit dem Individuum zu tun, sondern viel mehr mit der Gesellschaft. Wir vergessen, dass unser Zusammenleben mal von einem gemeinschaftlichen Aspekt geprägt war, ein Zusammenleben, bei dem nicht nur der Output des einzelnen zählte, sondern was gemeinsam erreicht wurde. Das Individuum an sich stand nicht so im Mittelpunkt, wie er das in unserer heutigen Gesellschaft tut. Die Bereitschaft fremden Menschen zu helfen, ist in Ländern, in denen die Menschen mehr gemeinschaftlich organisiert sind und beispielsweise die Familie noch einen ganz anderen Stellenwert hat, höher. In Gesellschaften, in denen vor allem Individualität und die Leistung des einzelnen zählt und mehr Wert auf das gelegt wird, was jemand darstellt und erreicht, als auf das was ein Mensch einfach als Menschen ausmacht, ist die Angst sich zu blamieren, doof dazustehen oder nicht zu genügen am höchsten. Einfach zu behaupten, dass der Druck auf Manager und Führungskräfte nicht steigt, scheint mir deshalb eine gewagte Aussage zu sein, da sie dazu verleitet, die Thematik herabzuspielen. Ich bin überzeugt, dass es kein Zufall ist, genau so wenig wie es Zufall ist, dass die Fälle von Erschöpfungsdepression, Depression und Burnout ständig zunehmen und es ist dringend nötig, dass wir anfangen genauer hinzuschauen und darüber nachzudenken. Und genauer hinschauen heisst eben nicht, spekulieren und nach Schwächen bei den Betroffenen zu suchen, um scheinbare Erklärungen für ihr „Versagen“ zu finden.

Platz zum « Auskotzen » muss sein, aber…

??????????????????????????????????????????????????????????Viele denken bei Psychotherapie an die Psychoanalyse nach Freud, bei der es wahrlich vor allem um das jahrelange wälzen von Problemen geht, mit dem Resultat, dass man im Anschluss nicht selten mehr als weniger „Probleme“ hat. Die Psychotherapie hat heute weitaus mehr zu bieten und arbeitet mit verschiedenen Ansätzen, je nach Ausrichtung und Spezialisierung des Therapeuten. Allerdings mache ich in der Praxis und gerade in meiner Arbeit im Personalwesen die Erfahrung, dass oft wirklich zu fokussiert auf den Patienten eingegangen wird und dessen berufliches und privates Umfeld allzu oft vernachlässigt oder gar ausgeklammert wird. Dadurch entstehen nicht selten neue Schwierigkeiten und dienen nicht längerfristig einem psychischen Gleichgewicht und Wohlergehen. Auch bin ich der Meinung, dass oft zu problemorientiert therapiert wird und konkrete nächste Schritte und Lösungsansätze zu kurz kommen. Es braucht sicher in einem gewissen begrenzen Rahmen auch die Möglichkeit, sich einfach mal „auszukotzen“ und Dampf abzulassen, aber dies sollte nicht überhand nehmen, denn dies verhindert einen Schritt nach vorne, hin zu einer Veränderung und Verbesserung. Genau deshalb erachte ich den Beitrag von Mo Collins als erfrischend und witzig, wenn auch kontrovers, denn er zeigt überspitz auf, was zunächst passieren muss, bevor sich was ändern kann: etwas muss aufhören, damit was anderen – und hoffentlich passenderes und wohltuenderes – anfangen kann. http://www.youtube.com/watch?v=BYLMTvxOaeE